Fritz Teufel, der mittlerweile

gestorbene ehemalige Fahrradkurier, ein prominentes Mitglied der APO und Vertreter der Spaßguerilla-Fraktion, fällt mir zum 1. Mai immer ein.

Zu Studienzeiten verteilten die K-Gruppen an der Uni zum 1. Mai Flugblätter, darin wurde man aufgefordert: „Heraus zum 1. Mai“. Also heraus zu irgendwelchen massenhaften Veranstaltungen der Arbeiterbewegung.

Teufel, der zu dieser Zeit irgendwo im Knast saß, kommentierte dies so: „Mir wäre auch jeder andere Termin Recht.“

Ja, der Innenminister

schwadroniert über Leitkultur und in BW wird schon mal – unter grün-schwarzen Vorzeichen – die Weltoffenheit in ihr Gegenteil verkehrt:  http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-05/baden-wuerttemberg-landtag-stuttgart-studiengebuehren-auslaender

Wie unpassend ist das eigentlich, in einem Bundesland, das in vielerlei Hinsicht von Globalisierung profitiert?

 

Parolen

Parolen spitzen zu, verkürzen und sind deswegen häufig fragwürdig.

Wenn bei einer Wahlveranstaltung die Gegner der veranstaltenden Partei am Zaun stehen und rufen „Nazis raus!“, was meinen sie damit?

Dass die Nazis die Stadt verlassen sollen? Oder dass sich die inneren Nazis offenbaren sollen? Dass die Nazis, die in den Häusern um den Veranstaltungsort herum wohnen, sich auch auf die Straße begeben sollen?

Vermutlich meint es das erstere. Damit beginnt das Problem jedoch erst. Denn raus aus der Stadt heißt: irgendwo anders hinein, in eine andere Stadt, ein anderes Dorf. Und sind die Nazis dann dort besser?

Mal davon abgesehen: worin besteht der kategoriale Unterschied, ob ich „Ausländer raus“ oder „Nazis raus“ skandiere?

Natürlich will keine Stadt in ihren Mauern Nazis. Das ist zunächst politisch nicht gewollt, weil Nazis politisch untragbar sind. Deren Ansichten sind jenseits unseres Grundgesetzkonsenses. Sie haben mit Demokratie und Menschenwürde nichts am Hut.

Nur, wenn ich sie politisch nicht will, dann muss ich auch politisch dafür sorgen, dass sie nicht mehr werden, dass sie sich nicht in der Öffentlichkeit breit machen, dass sie zu anderen Ein- und Ansichten gelangen. Das ist ungleich schwieriger zu bewerkstelligen als die Parole „Nazis raus“ suggeriert.

 

Etwas befremdet

In dieser Talkshow, die ich ansonsten schätze, hat der Schauspieler Joachim Meyerhoff ein paar Episoden aus der Schauspielausbildung zum Besten gegeben, assistiert von Til Schweiger. Ok, das sind ja teilweise herausfordernde Aufgaben und Settings. Und natürlich, man kann sich darüber lustig machen, wie man sich über Schule ja auch lustig macht, die Marotten der Lehrkräfte, die Spleens und/oder Streiche der Mitschülerinnen und Mitschüler, und so weiter.

Es scheint so ganz absurd. Aber wozu? Und wie hilft sowas beim Erlernen des Berufs? Die Lehrerinnen und Lehrer werden sich etwas gedacht haben. Wie das auch in den allgemeinbildenden Schulen die Lehrkräfte tun. Aber so entsteht das Bild großer Zumutungen, die irgendwie sinnbefreit den zukünftigen Stars des deutschen Schauspiels aufgenötigt wurden.

http://www.ardmediathek.de/tv/NDR-Talk-Show-classics/Autor-Joachim-Meyerhoff-13-11-2015/NDR-Fernsehen/Video?bcastId=33031888&documentId=39840728

Botswana

Es gibt Kinofilme, die sind Kunst. Andere Unterhaltung. Manche sind schlecht.

Und dann gibt es Kinofilme, die unterhalten und die uns auch noch etwas über Geschichte oder die menschliche Existenz näherbringen. Ob es gute, künstlerisch wertvolle Filme sind?

Auf jeden Fall hat mir der Film „A United Kingdom“ gut gefallen, weil er mir etwas über dieses unbekannte Land Botswana nahegebracht hat, weil er zudem auch die Rolle Großbritanniens im südlichen Afrika in den 50er Jahren beleuchtet hat, wenngleich nicht völlig erklärt hat.

Und die daraus resultierende Haltung der englische Kolonialverwalter gegenüber den Repäsentanten des Protektorats.  Leider auch ein paar unschöne Wahrheiten über die Wetterwendischkeit der Politik – ein Churchill, der vor der Wahl Anderes versprach als er dann im Amt umsetzte.

Und natürlich vereinfacht, fiktionalisiert der Film. Aber ich weiß nun, wo Botswana liegt und kann mit dem Namen Seretse Khama etwas anfangen.

Diese Grafik habe ich auch…

..oft benutzt, um Erfahrungslernen und Lernen in Projekten zu begründen:

File:Edgar Dale's cone of learning.png

Dales Lernpyramide -https://en.wikipedia.org/wiki/Edgar_Dale

Nun muss ich jedoch lesen: völlig falsche Schlußfolgerung. Es gibt keinen Beweis und keinen empirischen Beleg dafür, dass Lernen nach diesem Muster funktioniert. Die Zahlen zum Behalten gelernter Inhalte sind fiktiv. Es war auch gar nicht ursprünglich als präskriptives Modell gedacht, sondern nur als deskriptives, die Intention war: zus sagen, dass man sich umso weiter von der sinnlichen Erfahrung wegbewegte, je höher man in der Pyramide aufstieg. Dass die Inhalte abstrakter werden, wenn man beispielsweise nur etwas liest.

Wer wissen will, wo diese Analyse falschen Verständnisses steht, lese hier:

http://www.willatworklearning.com/2006/05/people_remember.html

http://www.willatworklearning.com/2015/01/mythical-retention-data-the-corrupted-cone.html