Wenn bei einer öffentlichen…..

..Veranstaltung ein Redner den Unterschied zwischen einem weisen und einem weißen Mann als rhetorischen Kniff einsetzen will, was aber nicht gelingt, weil er das stimmhafte und das stimmlose ’s‘ nicht hinbekommt, um den Unterschied zu markieren, was ist das dann?

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Lieber nicht mehr

Man wird sich etwas gedacht haben, weshalb man dem weisen Mann der baden-württembergischen SPD, Erhard Eppler, im Fritz-Erler-Forum noch einmal einen großen Auftritt ermöglicht hat. Anlass war die Vorstellung seines neuen Buchs „Trump – und was tun wir?“. Das sich als Weckruf für Demokraten versteht, dem es um die Wiedereinsetzung des Politischen geht, gegen eine Politik, die alleine auf die Marktlogik setzt und damit die Ausserkraftsetzung der Politik betreibt. Und das, so der Autor selbst, mit dieser leichten Koketterie, sein letztes Buch sein würde.

Soweit so gut. Nun war Eppler schon immer einer, der einen zur Konzentration beim Zuhören zwang, der viel Geduld abverlangte,  beim Warten darauf, wann der nächste Satz kommen würde, wann der Gedanke zu Ende geführt werden würde. Das hat sich nicht verändert.

Nur man hat nicht den Eindruck, dass die Erkenntnisse soviel neuer und überraschender seien, als dass sich dieses Warten lohnen würde. Dass Trump gefährlich ist, ja, das versteht man. Dass Politiker eine Biographie haben sollten, die entsteht, weil sie sich in Auseinandersetzungen begeben haben, weil sie um etwas gerungen haben, einen Standpunkt hatten: das kann man nachvollziehen, als Anspruch. Ob an diesem Abend in Stuttgart alles Relevante seines Buches zur Sprache kam?

Was jedoch gar nicht ging, war, dass man ihm einen Leser und Interpreten der Publikumsfragen zur Seite gestellt hatte, der seine Rolle erkennbar nicht ausfüllte. Da wurden die Fragen zur Unkenntlichkeit gedolmetscht. Da wurde in der Lesung ein Kommentar eingestreut, so dass man nicht wusste: ist das Eppler oder der Vorleser?

Und da hatte Eppler schon eigentlich das Schlusswort gesprochen, langer Applaus wollte das Ende herbeiklatschen, man stand auf, zog die Mäntel über, da wurde noch mal die Publikumsrunde eröffnet. Das hat zudem in einem solch großen Saal mit mehreren Hundert Menschen logistisch und vom Erkenntnisgewinn her deutliche Grenzen.

Und dass Eppler die amerikanische Politologin Wendy Brown in die Nähe neoliberalen Denkens rückte, dass er eine Art „Entspannungspolitik II“ gegenüber Russland forderte, ohne deutlich zu machen, wie man Putin auch Einhalt gebieten könne, dass trug dazu bei: alles und jeder hat seine Zeit.

Und die Epplersche Zeit ist es wohl nicht mehr. So sehr ich wertschätze, dass er das Politische hochhält. Mit Blick auf seine 9 Urenkel, ist das überaus ehren- und bewundernswert. Ja, das ist sein Verdienst. Er sollte ihn sich lassen.

Klassengröße

Es wird ja zuweilen behauptet, es gebe keinen Zusammenhang zwischen Lernerfolg und Klassengröße. Zuweilen auch wird relativiert: die Lehrkräfte hätten einen zusätzlichen Lernerfolg in kleineren Klassen dadurch verhindert, dass sie ihr Lehrverhalten nicht angepaßt hätten.

Nun, meine Erfahrung aus knapp 8 Wochen mit kleinen Klassen (ich habe in insgesamt 8 Klassen jeweils nur die Hälfte der Gesamtklasse, also zwischen 10 und 15 Schülerinnen und Schüler unterrichtet) ist eine andere:

Ich konnte viel ruhiger unterrichten, viel mehr Schülerinnen und Schüler nahmen am Unterrichtsgespräch teil, es wurden Schülerinnen und Schüler sichtbar, die später in der Großgruppe wieder untertauchten. Ich konnte ganz andere Beziehungen aufbauen, mich der einzelnen Person stärker zuwenden. Es kamen teilweise völlig andere Gespräche zustande als in der Großgruppe. Methodisch habe ich nicht viel anders gemacht.

Und ganz wichtig: auch die beteiligten Klassen empfanden diese Phase als viel intimer und für sie angenehmer als in der Großgruppe.

 

 

Multikulti

Vergangene Woche, Unterricht zum Thema „Migration“ in Gemeinschaftskunde. Die Hälfte der Klasse war aus verschiedensten Gründen abwesend. Und ich hatte wenig Lust, so richtig strukturierten Unterricht zu machen. Aber sinnvoll sollte es schon sein.

Also blickte ich in die Runde – und fragte, wer von den zwölfen alles einen Migrationshintergrund habe. Sieben. Vietnam. Pakistan. Türkei. Schweden. Japan. Libanon. Griechenland.

Teils wegen der Arbeit, teils wegen der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse.

Nicht alle fühlen sich als Deutsche. Manche waren noch nie in der Heimat der Eltern.

Wie werden sie an, in unserem Land mitgestalten? Was davon ist Ihnen wichtig? Diese Fragen standen nicht mehr zur Debatte…. Vielleicht sollte ich sie aufgreifen, demnächst.

 

 

 

 

Eine Win-Win-Situation…

…beim Autoverkauf.

Diesmal wollte ich es anders machen: nicht das Auto beim Händler zurücklassen, der mir einen nicht ganz so günstigen Preis verrechnet, bei dem dann noch irgendwie die Raten fürs neue Auto eingerechnet werden. Und dann habe das Internet entdeckt (ist ja Neuland). Der erste Versuch war ein Flop: ich landete auf einer der Platformen, über die ich das Auto verkaufen kann, dort wurde das Auto mal so eben eingestuft, dann fuhr ich damit zu einem von der Platform empfohlenen Händler, der mir einen Preis bot, der inakzeptabel niedrig war. Gar nicht zu reden davon, dass ich aggresssiv über Wochen mit Mails zugeschüttet wurde.

2. Versuch über eine andere Platform. Dort ist das Prinzip ein seriöses: sie vermitteln zwischen privatem Verkäufer und privaten Käufer. Und stellen nur für diese Vermittlung – sowie für das seriöse Fahrzeuggutachten – eine Rechnung. Ansonsten halten sie einem die unliebsamen Käufer vom Hals.

Und sie haben wie ich als Verkäufer ein Interesse an einem guten Preis, ohne den Käufer zu übervorteilen. Ende der Geschichte: ich hatte gerade 2 Probefahrten, wovon die zweite der spätere Käufer machte. Ich brauchte ein bisschen Geduld. Habe aber deutlich besser verkauft, als der 1. Händler mir angeboten hatte.

 

Lehrerarbeitszeit

Es ging Ende Januar durch die Medien:Lehrer arbeiten, entgegen landläufiger Meinung, mehr als andere Beschäftigte im öffentlichen Dienst (http://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2018-01/studie-lehrer-arbeitszeit-lehrergewerkschaft-gew). Was dabei zudem zu kurz kommt: es gibt gravierende Unterschiede zwischen Schularten und Bundesländern. (https://www.lehrerfreund.de/schule/1s/lehrer-deputat-pflichtstunden/4370)

In der Praxis stellt es sich noch gravierender dar, denn für Lehrerinnen und Lehrer ist die Trennung von Arbeit und Freizeit nahezu aufgehoben, allein schon räumlich. Die Schulen stellen auch nicht annäherungsweise die Infrastruktur bereit, die man benötigte, um sinnvoll arbeiten zu können. Daran scheitern, zu Recht!, auch alle  Überlegungen, Lehrkräfte dazu zu verpflichten, einen 8-Stunden-Tag in der Schule zu verbringen. Mal abgesehen davon: man geriete bei manchen Terminen auch mit dem Arbeitszeitgesetz in Konflikt.  (6 Stunden Unterricht, dann 2 Stunden Vorbereitung und Korrekturen und dann noch 4 Stunden Elterngesprächabend – das ginge dann strenggenommen nicht).

Was Lehrkräfte zudem stört: dass die ganze Zusatzarbeit (Elterngespräche, Schulkonzerte, Theateraufführungen, Ausflüge, Exkursionen, Schullandheime, Theater-, konzertbesuche) nicht verrechnet werden kann. Und man möge sich anschauen, welche Entlastung man bekommt, wenn man besipielsweise die ganzen Verfahrens- und Sicherheitshinweise und-beschreibungen und dokumentationen in den Naturwissenschaften erstellen und überwachen muss. Das steht in keinem Verhältnis zu dem ganzen Aufwand. Dann ist einkalkuliert, dass es Unterrichtsausfälle gibt. Die zwei zusätzlichen Stunden pro Woche sind keine Deputatsstunden, sondern zählen als Mehrarbeit, die dann wieder mit Unterrichtsausfall an anderen Tagen verrechnet wird.

Bis vor ein paar Jahren konnte man noch solche Stunden vergütet bekommen, wenn eine ausreichende Zahl innerhalb eines Monats angefallen war.

Wenn jetzt über Lehrerarbeitszeit in Zeiten vermehrten Unterrichtsausfalls diskutiert wird, dann verheißt das nichts Gutes.Das könnte heißen: der Wegfall von Unterrichtsstunden, der entsteht, weil beispielsweise Prüfungsklassen nicht mehr unterrichtet werden, würde dann eventuell mit ins darauffolgende Schuljahr genommen werden. Dass Abitur mit viel Zusatzarbeit verbunden ist, entfiele damit komplett. Kleines Beispiel: man muss in Englisch Kommunikationsprüfungen vorbereiten. Das ist keine banale Arbeit und erfordert genaues Hinschauen, auch mit Blick auf die zu Prüfenden. Und ist Arbeit über die reine Unterrihctsverpflichtung hinaus. Das würde bei einem solchen Modell nicht gewürdigt werden. Ergo: es würde es unattraktiv machen, solche Kurse zu übernehmen.

 

Die Verlegerin

Ein Steven Spielberg-Film über die Verlegerin der Washington Post. Es geht darum, dass sie in einer wirtschaftlich kritischen Phase für das Blatt die Entscheidung trifft, allen Bedenken zum Trotz, die Pentagon Papers des Außenministers McNamara zu veröffentlichen. – Es gibt dazu die kleine, aber nicht unwichtige Seitengeschichte, wie Verleger und demokratische Präsidenten miteinander befreundet sind, was die Frage der journalistischen Unabhängigkeit auf einer anderen Ebene aufwirft. – Die Geschichte geht für Kay Graham und die Washington Post gut aus. Aber vor allem deswegen, weil der Supreme Court seine Unabhängigkeit gegenüber dem Präsidenten dokumentiert und der Presse ihre wesentliche Rolle bei der Kontrolle der Regierung und der Information der Öffentlichkeit ausdrücklich bescheinigt und verteidigt. Der Spruch des Supreme Court zugunsten der freien Presse war ein beeindruckendes Zeugnis des Funktionierens von Check and Balances zugunsten einer kritischen Öffentlichkeit.

Mir ging die ganze Zeit durch den Kopf: würde ein Supreme Court  mit von Donald Trump berufenen Richtern zu einem ähnlichen Schluss kommen?

Daran wurde und wird deutlich, wie sehr sich Zeiten geändert haben.