Zwei Logiken

Ich schicke voraus:

die Unterhaltung von Schulbauten obliegt den Schulträgern, zumeist den Städten und Gemeinden oder auch den Landkreisen. Sie müssen auch für die finanziellen Mittel sorgen.

Gestern nun:

ich verfolgte eine Debatte zwischen einer Fragestellerin, Mutter eines Kindes auf dem Gymnasium. Sie beklagte sich über unhaltbare Zustände in der Schule, undichte Fenster, kalte, schlecht isolierte Klassenzimmer, undichtes Dach und dergleichen mehr. Allen Appellen der Schule zum trotz habe die Kommune bislang nichts getan, vermutlich aus finanziellen Gründen. Sie wandte sich an den Staatssekretär, das Land müsse doch etwas tun. Er gab zurück: es sei Aufgabe des Schulträgers. Und zudem: man dürfe und wolle nicht die bislang untätigen Kommunen finanziell unterstützen, wohingegen die frühzeitig aktiv gewordenen leer ausgehen würden. Das sei wenig gerecht.

Man müsse das doch aus Perspektive der Betroffenen betrachten, die unter diesen unzumutbaren Zuständen tagein, tagaus zu leiden hätten. Das hin- und Herverschieben von Verantwortlichkeiten helfe ihnen überhaupt nicht. Er verstehe das, entgegnete der Staatssekretär, dennoch wolle er aus guten Gründen die Zuständigkeit und Verantwortlichkeit noch einmal betonen. Und er könne hier und heute keine Versprechungen machen, die über bisherige Vorhaben der Regierung hinausgingen.

Beide Positionen leuchten mir völlig ein. Ich fürchte nur, das Verständnis für die Regierung dürfte sich in Grenzen halten.

 

Advertisements

Learning through teaching

Ich werde morgen eine Gruppe von etwa 40 Schülerinnen und Schülern der 10. Klasse im Nachmittagsunterricht, Fach: Gemeinschaftskunde, haben. Darunter sind 12 italienische Austauschschülerinnen – und Schüler und deren 12 deutsche Gastgeber. Was tun mit denen?

Ich lasse gerne Jeopardy spielen, zu dem ich mir die Fragen und Kategorien selbst überlege. Natürlich müssen sie einen überwiegend politischen Bezug haben, also zu den Themen Essen oder Wetter oder touristische Attraktionen stelle ich keine Fragen. Und ich merke dabei: wie wenig ich beispielsweise über das italienische politische System weiß.

Ein wenig Nachhilfe bieten die Fragen, die ich mir ausdenke….Denn ich muss ja auch die korrekten Antworten kennen.

 

Gerechtigkeit

Ein wesentliches gesellschaftliches Sentiment ist das Gefühl für gesellschaftliche Ungleichheit und Ungerechtigkeit.

Dabei geht es in drei unterschiedliche Richtungen.

Die eine ist: es gibt Menschen, die einer ordentlichen Beschäftigung nachgehen, die ihnen ein sicheres Einkommen sichert. Allein, dieses Einkommen reicht gerade so. Luxus, Freiheiten sind damit nicht möglich, kein Spontantrip nach London. Und günstiger attraktiver Wohnraum ist ohnehin ein Mangel.

Die zweite ist: die ungleiche Verteilung von Chancen. Man kann schon den Eindruck bekommen, dass die Kinder von Führungskräften bessere Chancen auf attraktive, gutbezahlte Jobs haben als die Kinder von einfachen Angestellten. Letztere sind genauso qualifiziert, ganuso kompetent. Aber die guten Praktika handeln die Mütter und vor allem Väter unter der Hand aus, und auch die wichtigen Auslandserfahrungen im Studium können sich in der Regel nur die Bessserverdiener leisten. Gesellschaftliche horizontale Mobilität wird auf diese Weise zu einer Fiktion.

Die dritte ist: es gibt die Wahrnehmung, wonach viele Anstrengungen unternommen werden, um Flüchtlinge adäquat unterzubringen und zu versorgen. Währenddessen andererseits das Gefühl entsteht, wonach die „einheimischen“ Notfälle und prekären Situationen, aber auch die „einfachen“ Beschäftigten nicht mit derselben Energie Unterstützung erfahren.

An dieser Stelle begegnen sich auch die erste und die dritte Richtung – und augenfällig wird es am Wohnraum.  Flüchtlinge generieren einen unmittelbaren Handlungsdruck, weil sie nicht einfach irgendwo auf dem „freien“ Markt Wohnraum für sich finden. Diejenigen, die gerne eine günstigere und schönere Wohnung hätten, befinden sich in unmittelbarer Konkurrenz zu den Flüchtlingen in der öffentlichen Wahrnehmung. Gar nicht so sehr auf dem Wohnungsmarkt, denn so wie Flüchtinge untergebracht sind, möchten sie auch nicht wohnen. Nur ist ihr Anliegen ein diffuses, nicht durch den Bau von Einfachstunterkünften zu befriedigendes, daher häufig hintangestelltes. Und der Markt befriedigt deren Bedürfnis nicht, weil er Wohnraum nur zu höheren Preisen schafft (wegen Grundstückspreisen/Auflagen/etc.). Politk muss diesen Spagat schaffen, wenn sie an der Stelle die Unzufriedenheit auffangen will.

Obergrenzen, die man so nicht benennen will, verstärken eher das Gefühl, dass man sich um die falschen Dinge kümmert. Und uns zudem ein X für ein U verkaufen möchte.

„He told graduates at the Coast Guard Academy on Wednesday that “no politician in history has been treated worse or more unfairly” by the media.“*

Hybris and whiner.

Was eine grauenvolle Mischung.

*https://www.nytimes.com/2017/05/17/business/media/trumps-urging-that-comey-jail-reporters-denounced-as-an-act-of-intimidation.html?hp&action=click&pgtype=Homepage&clickSource=story-heading&module=b-lede-package-region&region=top-news&WT.nav=top-news&_r=0

Na, klar finde ich das gut,

dass Macron gewonnen hat. Und dann auch noch so deutlich. Und na klar, ist es weniger erfreulich, dass ein Drittel der Wählerinnen und Wähler sich für diese Kreide gefressen habende, rechtsradikale, ausländerfeindliche und illiberale Gegenkandidatin ausgesprochen haben.

Auch unerfreulich: die geringe Wahlbeteiligung. Und die vermutlich große Zahl an ungültigen Stimmen.

Aber noch ist wenig geschafft – bei den Parlamentswahlen kommt es darauf, dass eine verläßliche Mehrheit für Macron ins Parlament einzieht. Und deswegen sind die kommenden Tage und Wochen vorentscheidend.

Ansonsten haben wir 2022 eine wahrscheinliche Präsidentin Le Pen.

Ja, der Innenminister

schwadroniert über Leitkultur und in BW wird schon mal – unter grün-schwarzen Vorzeichen – die Weltoffenheit in ihr Gegenteil verkehrt:  http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-05/baden-wuerttemberg-landtag-stuttgart-studiengebuehren-auslaender

Wie unpassend ist das eigentlich, in einem Bundesland, das in vielerlei Hinsicht von Globalisierung profitiert?