Liebe DHL,

nun habt Ihr mir schon etliche Male pünktlich und  unversehrt Waren zugestellt.

Irgend etwas bei der jetzt anstehenden Lieferung läuft jedoch grundsätzlich daneben.

Erstens wurde die Ware schon einmal falsch verladen, weshalb die Auslieferung sich verzögerte. Dann erhielt ich eine postalische Mitteilung, wonach an einem Tag ausgeliefert werden sollte, an dem niemand zuhause sein würde. Schade, dass Eure Telefone nicht sehr lange nachmittags besetzt sind, so konnte ich den Termin nicht telefonisch absagen. Schade auch, dass offenbar niemand Emails liest, denn eine solche habe ich abgeschickt, auf die Reaktion warte ich heute noch.

Dann wurde ausgeliefert, sogar mit telefonischer Ankündigung. Aber es war niemand da. Also erhielt ich eine Mitteilung im Briefkasten. Als ich es dann telefonisch versuchte, mit Euch in Kontakt zu treten, waren 3 von 4 Nummern nicht besetzt. Über die 4. konnte ich einen Termin vereinbaren. Allein, zu diesem Termin kam niemand. Es unterblieb auch eine fernmündliche Unterrichtung.  Eine zweite Mail blieb ebenfalls beantwortet. ein Anrufbeantworter verwies mich auf eine Nummer, die länger besetzt sein sollte. Diese war jedoch nicht besetzt.

Ach, wie schön wäre es , bei diesem Wetter, wenn Ihr den bestellten und bezahlten Sonnenschirm demnächst hier abliefern würdet. Die Chancen habe sich jedoch wieder verschlechtert. Ab kommender Woche sind wir seltener zuhause anzutreffen.

Man möchte fast hoffen, der Sommer endete bald, und ein Sonnenschirm wäre entbehrlich.

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Liebe Stuttgarter Zeitung

und angeschlossene Logistikunternehmen!

In welchem Jahrhundert leben Sie eigentlich, dass Sie es fertigbringen, einer Kundin eine reklamierte, weil nicht zugestellte Ausgabe der Zeitung mit einem Streifband und der Anrede „Fräulein“ zuzuschicken?

Ist an Ihnen und dem beauftragten Logistikunternehmen vorbeigegangen, dass dies eine diskriminierende Anrede ist?

Und was heißt es für den Geist des Hauses, wenn so etwas das Haus verlässt? Ist es ein Einzelfall oder tägliche Übung?

Ich erwarte keine Antworten. Wollte es aber auf jeden Fall gesagt haben: so geht es nicht.

Mit freundlichem Gruß

 

 

 

 

 

Zwei Parlamente

Mein Beruf bringt es gelegentlich mit sich, dass ich Schulklassen auf Exlursionen begleiten darf. So war es auch zweimal in den letzten vier Wochen. Einmal ging es ins Landesparlament, einmal ins europäische Parlament. Das Programm unterschied sich an einer Stelle: im Landtag gab es zunächst eine sehr sachkundige und aufs Publikum bestens eingestellte Einführung. Zudem bekamen wir die Tagesordnung vorab. Eine extra für uns abgestellte Mitarbeiterin des Landtags begleitete uns zu den jeweiligen Stationen. Im europäischen Parlament wurden wir von den Mitarbeiterinnen des Abgeordneten in Empfang genommen und durchweg begleitet.

Das europäische Parlament, so macht es den Eindruck, ist deutlich durchstrukturierter. Man berät über etwas en bloc, dann gibt es einen Abstimmungsblock. Problem: als Zuschauer bekommt man nicht mehr mit, was genau da abgestimmt wird, weil es rasend schnell geht und auch nicht immer angesagt wird, was das Thema ist. Aber es gibt Abstimmungselektronik, so dass bei Unklarheiten die Elektronik genutzt wird, um das Abstimmungsergebnis eindeutig feststellen zu können. Allerdings gab es auch eine Situation, in der die Anzeigetafel und die Ankündigung des Sitzungspräsidenten nicht übereinstimmten, wovon manche Abgeordnete irritiert waren und eine Wiederholung erwirkten. Dass wir erst am Ausgang die Tagesordnung erhielten, war wenig hilfreich. Wir wurden immerhin Zeugen eines historischen Vorgangs: einer der Vizepräsidenten des Parlaments wurde mit 2/3-Mehrheit abgesetzt, weil er eine andere Abgeordnete auf das Übelste beleidigt hatte. Die Anwesenheit im Parlament war sehr hoch, es gab kaum unbesetzte Plätze, allerdings war auch die Nutzung der Smartphones und der Tablets sehr hoch.

Der Landtag ist weit kleiner, es gibt namentliche Abstimmungen, bei denen alle Abgeordneten aufgerufen werden und dann ihre Abstimmung bekannt geben. Immerhin erlebten wir eine Debatte, bei der es ordentlich zur Sache ging – müssen Fußballvereine in Zukunft die Polizeieinsätze bezahlen? Die Schülerinnen und Schüler fanden einen locker-kompetenten Beitrag am besten, weil er nicht abgelesen war, weil er nicht aggressiv war. Es war ein dauerndes Kommen und Gehen, auf der Regierungsbank saßen zwei Minsterinnen, ins Dauergespräch vertieft.

Der Nachteil des Landtagsverfahrens zeigte sich später, im Gespräch mit den Abgeordneten dreier Fraktionen: es konnte jederzeit sein, dass sie zu einer namentlichen Abstimmung das Gespräch würden beenden müssen. Einen Gong, der in diese Zeit fiel, konnten sie allerdings nicht interpretieren. Sie dokumentierten Respekt untereinander, gingen teilweise sehr lang auf Fragen ein, wechselten sich darin aber auch gut ab.

Im Europaparlament stand uns der Abgeordnete, seines Zeichens auch einer der Vizepräsidenten des Parlaments für eine Stunde zur Verfügung. Und seine Ausführungen waren hoch interessant, unter anderem, als er seine Aufgaben als Vizepräsident beschrieb.  Es wurde auch deutlich: da bekommt man andere Horizonte mit, als er von den verschiedenen Kooperationen mit unterschiedlichen Regionen in der Welt sprach.

Bringen solche Besuche die Politik näher hin zur Schülerschaft? Ich denke: teilweise. Sie dürften vorhandene Motivation stärken, und schaffen keine Motivation, wo sie nicht ohnehin vorhanden ist. Ob sie die Unentschiedenen bewegen? – Es wäre zu hoffen.

Zwei Welten

Zuweilen gibt es die Notwendigkeit, etwas offiziell beglaubigen zu lassen. Dann sucht man ein Notariat auf.

Das erste Mal – in der jüngeren Zeit – taten wir dies im Dezember. Das Gebäude: unfreundlich. Die Flure schmucklos. Ein Empfang: nicht vorhanden. Stattdessen musste man sich von Zimmer zu Zimmer fragen, ehe man den richtigen Ansprechpartner gefunden hatte, der einen wieder ins Wartezimmer verwies, wo man auf den Notar warten durfte. Und das Wartezimmer: eine zivile Form der Verwahrlosung.

Nun war das alles kein Wunder, denn: die Nutzung des Gebäudes als Notariat war absehbar, zum Jahreswechsel würde es als solches aufgegeben werden. Und mehr noch: die dort ansässigen Notare würden zum 1.1.2018 Freiberufler werden und in neue Räumlichkeiten ziehen. Dennoch, Behörden sind Dienstleister und keine Agenturen zur Abschreckung der Bürgerinnen und Bürger.

Wo wir uns denn im Neuen Jahr auch einfanden, im neuen Notariat. Am Empfang wurden wir zunächst freundlich begrüßt, eine zweite freundliche Angestellte half uns aus den Mänteln, die Garderobe hing voll, was bedeutete: es herrschte gut Betrieb.  Das Wartezimmer war sparsam und mit einladenden Sitzmöbeln ausgestattet. Eine Dreier-Gesellschaft unterhielt sich über Wohnlagen uund Hauspreise in der Region. Die Gänge: hell und freundlich. Mit erstaunlich vielen Büroräumen, die allesamt belegt waren. Der Notar geleitete uns in sein Büro, auch dieses: großzügig, mit viel Licht und einer angenehm zurückhaltenden Möblierung, der Besprechungstisch ausreichend groß für mehrere Personen, nicht rund, sondern rechteckig. Kurz gesagt: wir befanden uns in einem völlig anderen Ambiente, mit einer dementsprechend anderen Gestimmtheit. Der Notar bestätigte dies, indem er meinte, zuvor seien die Klienten schon etwas gereizt in seinem Büro aufgetaucht, nachdem sie die abweisende Atmosphäre im vorherigen Gebäude eingesogen hatten.

Das einzige, das unverändert geblieben war: die schlecht sitzende, rosa-hellblau gemusterte Krawatte des Notars.