Der Ton macht’s

Die Besitzer des Altenwohnheims haben gewechselt und eine Hausverwaltung beauftragt. Deren erste Handlung: Schreiben zur Mieterhöhung zu versenden, die sich natürlich im gesetzlichen Rahmen bewegt.

Allerdings machen sie einen Fehler: auf der Einverständniserklärung haben Sie in der Vorlage das Datum aus einem früheren Formular stehen lassen. Dann wäre nicht zum 1.6.2018, sondern rückwirkend zum 1.2.2017 das Einverständnis zur Mieterhöhung  erteilt worden. Nun ist das bemerkt und kritisiert worden.

Daraufhin gab es ein neues Schreiben. „…Beim Erstellen…..ist uns leider ein Fehler unterlaufen.“ Warum leider? Weil man ein zweites Schreiben versenden muss? Weil man solch einen Fehler eigentlich nicht macht, und etwas dumm gegenüber dem Eigentümer dasteht? Oder weil man den älteren Herrschaften da etwas Unmögliches zugemutet hat hat? Wir wissen es nicht. Aber da es auch keine Bitte um Entschuldigung gibt, darf man annehmen, man hat die ersten beiden Motive eher im Blick.

Denn das Schreiben beeilt sich fortzufahren: „Die Wirkung des Mieterhöungsverlangens besteht jedoch weiterhin, eine Einhaltung der Frist ist gewährleistet,…..“.

Na, dann ist ja alles in bester Ordnung. Nicht wahr?

Und außerdem, für den ahnungslosen Laien: das Formular sei auch keine Pflicht bei Mieterhöhungen, sondern lediglich eine Vereinfachung für Sie als Mieter. Worin die Vereinfachung besteht? Man weiß es nicht. (Unnötig hinzuzufügen: auch Mieterinnen werden als Mieter angeschrieben, soviel sprachliche Sorgfalt wäre denn doch des Guten zuviel gewesen.)

Hauptsache: die Einhaltung der Frist ist gewährleistet.

 

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2 kleine Lektionen in Marktwirtschaft

Der Preis für eine Fahrt mit den Ausflugschiff beträgt normalerweise 17,50€. Es heißt auch, das Schiff starte erst ab einer Anzahl von 10 Passagieren.

Nun sitzen erst 4 Personen an Deck. Da beschließt der Kapitän: ich fahre, wenn Sie 25 € bezahlen. Man willigt ein.

Zum Glück betreten 2 weitere Personen das Schiff, was eine sofortige Preissenkung auf 20 € pro Person nach sich zieht.

In einem Bekleidungsgeschäft wird einem vom Kauf eines Pullis dringend abgeraten, er koste 59 €. Kaufe man jedoch 3 Pullis derselben Machart, kosteten sie zusammen nur noch 79 €.

Lieber nicht mehr

Man wird sich etwas gedacht haben, weshalb man dem weisen Mann der baden-württembergischen SPD, Erhard Eppler, im Fritz-Erler-Forum noch einmal einen großen Auftritt ermöglicht hat. Anlass war die Vorstellung seines neuen Buchs „Trump – und was tun wir?“. Das sich als Weckruf für Demokraten versteht, dem es um die Wiedereinsetzung des Politischen geht, gegen eine Politik, die alleine auf die Marktlogik setzt und damit die Ausserkraftsetzung der Politik betreibt. Und das, so der Autor selbst, mit dieser leichten Koketterie, sein letztes Buch sein würde.

Soweit so gut. Nun war Eppler schon immer einer, der einen zur Konzentration beim Zuhören zwang, der viel Geduld abverlangte,  beim Warten darauf, wann der nächste Satz kommen würde, wann der Gedanke zu Ende geführt werden würde. Das hat sich nicht verändert.

Nur man hat nicht den Eindruck, dass die Erkenntnisse soviel neuer und überraschender seien, als dass sich dieses Warten lohnen würde. Dass Trump gefährlich ist, ja, das versteht man. Dass Politiker eine Biographie haben sollten, die entsteht, weil sie sich in Auseinandersetzungen begeben haben, weil sie um etwas gerungen haben, einen Standpunkt hatten: das kann man nachvollziehen, als Anspruch. Ob an diesem Abend in Stuttgart alles Relevante seines Buches zur Sprache kam?

Was jedoch gar nicht ging, war, dass man ihm einen Leser und Interpreten der Publikumsfragen zur Seite gestellt hatte, der seine Rolle erkennbar nicht ausfüllte. Da wurden die Fragen zur Unkenntlichkeit gedolmetscht. Da wurde in der Lesung ein Kommentar eingestreut, so dass man nicht wusste: ist das Eppler oder der Vorleser?

Und da hatte Eppler schon eigentlich das Schlusswort gesprochen, langer Applaus wollte das Ende herbeiklatschen, man stand auf, zog die Mäntel über, da wurde noch mal die Publikumsrunde eröffnet. Das hat zudem in einem solch großen Saal mit mehreren Hundert Menschen logistisch und vom Erkenntnisgewinn her deutliche Grenzen.

Und dass Eppler die amerikanische Politologin Wendy Brown in die Nähe neoliberalen Denkens rückte, dass er eine Art „Entspannungspolitik II“ gegenüber Russland forderte, ohne deutlich zu machen, wie man Putin auch Einhalt gebieten könne, dass trug dazu bei: alles und jeder hat seine Zeit.

Und die Epplersche Zeit ist es wohl nicht mehr. So sehr ich wertschätze, dass er das Politische hochhält. Mit Blick auf seine 9 Urenkel, ist das überaus ehren- und bewundernswert. Ja, das ist sein Verdienst. Er sollte ihn sich lassen.

Klassengröße

Es wird ja zuweilen behauptet, es gebe keinen Zusammenhang zwischen Lernerfolg und Klassengröße. Zuweilen auch wird relativiert: die Lehrkräfte hätten einen zusätzlichen Lernerfolg in kleineren Klassen dadurch verhindert, dass sie ihr Lehrverhalten nicht angepaßt hätten.

Nun, meine Erfahrung aus knapp 8 Wochen mit kleinen Klassen (ich habe in insgesamt 8 Klassen jeweils nur die Hälfte der Gesamtklasse, also zwischen 10 und 15 Schülerinnen und Schüler unterrichtet) ist eine andere:

Ich konnte viel ruhiger unterrichten, viel mehr Schülerinnen und Schüler nahmen am Unterrichtsgespräch teil, es wurden Schülerinnen und Schüler sichtbar, die später in der Großgruppe wieder untertauchten. Ich konnte ganz andere Beziehungen aufbauen, mich der einzelnen Person stärker zuwenden. Es kamen teilweise völlig andere Gespräche zustande als in der Großgruppe. Methodisch habe ich nicht viel anders gemacht.

Und ganz wichtig: auch die beteiligten Klassen empfanden diese Phase als viel intimer und für sie angenehmer als in der Großgruppe.

 

 

Multikulti

Vergangene Woche, Unterricht zum Thema „Migration“ in Gemeinschaftskunde. Die Hälfte der Klasse war aus verschiedensten Gründen abwesend. Und ich hatte wenig Lust, so richtig strukturierten Unterricht zu machen. Aber sinnvoll sollte es schon sein.

Also blickte ich in die Runde – und fragte, wer von den zwölfen alles einen Migrationshintergrund habe. Sieben. Vietnam. Pakistan. Türkei. Schweden. Japan. Libanon. Griechenland.

Teils wegen der Arbeit, teils wegen der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse.

Nicht alle fühlen sich als Deutsche. Manche waren noch nie in der Heimat der Eltern.

Wie werden sie an, in unserem Land mitgestalten? Was davon ist Ihnen wichtig? Diese Fragen standen nicht mehr zur Debatte…. Vielleicht sollte ich sie aufgreifen, demnächst.