Learning through teaching

Ich werde morgen eine Gruppe von etwa 40 Schülerinnen und Schülern der 10. Klasse im Nachmittagsunterricht, Fach: Gemeinschaftskunde, haben. Darunter sind 12 italienische Austauschschülerinnen – und Schüler und deren 12 deutsche Gastgeber. Was tun mit denen?

Ich lasse gerne Jeopardy spielen, zu dem ich mir die Fragen und Kategorien selbst überlege. Natürlich müssen sie einen überwiegend politischen Bezug haben, also zu den Themen Essen oder Wetter oder touristische Attraktionen stelle ich keine Fragen. Und ich merke dabei: wie wenig ich beispielsweise über das italienische politische System weiß.

Ein wenig Nachhilfe bieten die Fragen, die ich mir ausdenke….Denn ich muss ja auch die korrekten Antworten kennen.

 

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Gerechtigkeit

Ein wesentliches gesellschaftliches Sentiment ist das Gefühl für gesellschaftliche Ungleichheit und Ungerechtigkeit.

Dabei geht es in drei unterschiedliche Richtungen.

Die eine ist: es gibt Menschen, die einer ordentlichen Beschäftigung nachgehen, die ihnen ein sicheres Einkommen sichert. Allein, dieses Einkommen reicht gerade so. Luxus, Freiheiten sind damit nicht möglich, kein Spontantrip nach London. Und günstiger attraktiver Wohnraum ist ohnehin ein Mangel.

Die zweite ist: die ungleiche Verteilung von Chancen. Man kann schon den Eindruck bekommen, dass die Kinder von Führungskräften bessere Chancen auf attraktive, gutbezahlte Jobs haben als die Kinder von einfachen Angestellten. Letztere sind genauso qualifiziert, ganuso kompetent. Aber die guten Praktika handeln die Mütter und vor allem Väter unter der Hand aus, und auch die wichtigen Auslandserfahrungen im Studium können sich in der Regel nur die Bessserverdiener leisten. Gesellschaftliche horizontale Mobilität wird auf diese Weise zu einer Fiktion.

Die dritte ist: es gibt die Wahrnehmung, wonach viele Anstrengungen unternommen werden, um Flüchtlinge adäquat unterzubringen und zu versorgen. Währenddessen andererseits das Gefühl entsteht, wonach die „einheimischen“ Notfälle und prekären Situationen, aber auch die „einfachen“ Beschäftigten nicht mit derselben Energie Unterstützung erfahren.

An dieser Stelle begegnen sich auch die erste und die dritte Richtung – und augenfällig wird es am Wohnraum.  Flüchtlinge generieren einen unmittelbaren Handlungsdruck, weil sie nicht einfach irgendwo auf dem „freien“ Markt Wohnraum für sich finden. Diejenigen, die gerne eine günstigere und schönere Wohnung hätten, befinden sich in unmittelbarer Konkurrenz zu den Flüchtlingen in der öffentlichen Wahrnehmung. Gar nicht so sehr auf dem Wohnungsmarkt, denn so wie Flüchtinge untergebracht sind, möchten sie auch nicht wohnen. Nur ist ihr Anliegen ein diffuses, nicht durch den Bau von Einfachstunterkünften zu befriedigendes, daher häufig hintangestelltes. Und der Markt befriedigt deren Bedürfnis nicht, weil er Wohnraum nur zu höheren Preisen schafft (wegen Grundstückspreisen/Auflagen/etc.). Politk muss diesen Spagat schaffen, wenn sie an der Stelle die Unzufriedenheit auffangen will.

Obergrenzen, die man so nicht benennen will, verstärken eher das Gefühl, dass man sich um die falschen Dinge kümmert. Und uns zudem ein X für ein U verkaufen möchte.

Meine heutige Heldin…

..ist mir begegnet, als ich einige Besorgungen machte.

Sie trug einen Zettel in der Hand mit Büchern, die sie vergeblich im Buchladen zu erwerben versucht hatte. Es waren Lehrbücher für die externe Hauptschulabschlußprüfung, die eine junge Frau, aus Afghanistan  geflüchtet, abzulegen trachtete. Allerdings würde die Prüfung bereits übermorgen sein.

Und die Heldin war unterwegs, dieser Bücher habhaft zu werden. Weil sie dieser Frau die Chance ermöglichen will, eine Perspektive in unserem Land zu haben. Ich habe sie an die Schule verwiesen, die die Prüfungen abnimmt.

Die Heldin ist im beruflichen Ruhestand, schon seit etlichen Jahren.

Warum ich Golf spiele:

  • weil ich dabei Spaß habe
  • weil ich mich beweisen und übertreffen kann
  • wegen der Bewegung
  • weil ich das auch mit anderen Menschen tun kann, mir bekannten und unbekannten
  • weil es beinahe das ganze Jahr möglich ist
  • weil es eine hohe Konzentration erfordert, so dass der sonstige  Alltag ausgeblendet bleibt.

Es ist also Freizeitvergnügen und auch ein wenig Therapie.

Da stört Verbissenheit. Ich habe es zuweilen erlebt, dass Menschen – eigentlich nur: männliche Mitspieler – völlog verkrampft auf den Platz gingen, mit einer hohen Misserfolgsorientierung, die dann zu den entsprechenden schlechten Schlägen führte. Was sie wiederum bestätigte und zu neuen Selbstbezichtigungen und Selbstverhöhnungen führte. Ein wenig Verzweiflung war dabei – nun hatte man viel Geld für neue Schläger ausgegeben, in Trainerstunden investiert, und der Schwung war dahin und kam nicht wieder. Kann ja passieren. Aber diese unendliche Larmoyanz und dieser selbstquälerische Gestus haben mich genervt, erschreckt und gleichzeitig mich mit mir sehr einverstanden gemacht. Ich jubele auch nicht über misslungene Schläge. Aber mir geht die Verbissenheit ab. Auf schlechte Schläge folgen gute. Und umgekehrt. Das ist Golf. Und manchmal dauern Phasen mehrere Schläge. Das gilt es hinzunehmen. Und sich nicht bei jedem neuen Schlag zu bedauern.

Ich bin mir nicht sicher, ob die Etikette beim Golfen solches Verhalten erlaubt.

Wollnsen wiederhaben? – Ein Lob auf meinen Orthopäden

Ja, es ist unterhaltsam mit ihm. Wir kommen auf verschiedene Themen. Sport, E-Bike-Fahren, Kunst, Bildung.

Was ihn auszeichnet, ist eine unaufgeregte Präzision und ein gutes Verständnis. Vor ein paar Wochen war ich mit Schmerzen in der Wade bei ihm. Und in einem beiläufig dahergesagten Satz, „Man will ja keine Thrombose haben“, sprach er meine größte Sorge an, um sie dann, nach sorgfältiger Untersuchung umgehend zerstreuen zu können. (Es war ein kleiner Muskelfaserriss.)  Ich liebe diesen Sinn fürs Undramatische.

Dann kann ich auch den Satz, an meine anwesende Frau gerichtet, einordnen, als er sich anschickte bei einer kleineren Operation am Handgelenk das Skalpell anzusetzen: „Wollnsen wiederhaben?“

3 Allgemeinplätze über Briten

  1. Briten können nicht kochen. Stimmt überhaupt nicht. Wir haben an unterschiedlichen Orten in Restaurants vorzüglich gegessen. Mit Qualitätsunterschieden, na klar, aber doch sehr fein und auch in Bistros und  Pubs mit einem kleinen Extra. Irgendwo in Stratford gab es die besten Pommes seit langem, außen kroß, innen auch gefüllt, kartoffelig, und nicht von Fett durchzogen.
  2. Britisches Bier ist ungenießbar, weil eine geschmacklose, unfrische Plörre. Stimmt auch nicht. Draught Biere können sehr frisch und wohlschmeckend daherkommen, es gibt viele lokale Biersorten, die besonders sind. Irgendwie hat sich das Indian Pale Ale durchgesetzt, das immer etwas süßlich schmeckt, vielleicht für deutschen Biergeschmack nicht herb genug. Ok. Aber gut.
  3. Britisches Brot ist….eigentlich kein Brot. Sondern Luft, von etwas Teig durchlöchert. Stimmt. Man kann zuweilen Brot kaufen, das nach fester Konsistenz aussieht, auch einen knusprigen Eindruck macht. Aber ach, geschnitten ist es dasselbe lappige oder noch schlimmer: bröselige Etwas, das man auf der Insel Brot nennt. Auch da gibt es jedoch leichte Anzeichen der Besserung. In besseren Lokalen – man lese und staune – wird als besondere Spezialität SOURDOUGHBREAD gereicht. Und das kommt unserem Verständnis von Brot, ja von gutem Brot schon deutlich näher. Aber Spezialität??