Mein Alltagsheld diese Woche…

..ist der Physiotherapeut meiner Mutter. Nicht nur, dass er sie in ihrer Wohnung im 8. Stock aufsucht, um ihre Schultern etwas zu lockern. Er führt mit ihr immer Gespräche über dies und jenes. Gut, sie kennt ihn auch schon lange, weil er und ich in unserer Jugend Fußball in einer Mannschaft spielten. Da weiß man etwas über die jeweiligen Familien und was sonst noch zu wissen wichtig ist.

Diese Woche nun tat er sich auch noch als Raumpfleger hervor, weil er erkannt hatte, dass sie Waschpulver verschüttet hatte, dies jedoch nicht selbst bereinigen konnte.

Also griff er zum Staubsauger, das kleine Malheur zu beseitigen.

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Was ist Heimat?…

…war unlängst eine häufig gestellte Frage in den Medien.

Vergangenes Wochenende war bei uns Weihnachtsmarkt.  Dort bekannte Menschen zu treffen, mit weniger bekannten Menschen ins Gespräch zu kommen. Da einen Glühwein im Stehen, dort ein anregendes, freundliches, lustiges Gespräch, der Austausch von Plattitüden und Ernstem. Grüßen und gegrüßt werden. Ein  kurzer Austausch zum neuen Oberbprgermeister. Und in 20 Minuten ins eigene Domizil gelaufen zu sein.

 

Meinen Zahnarzt schätze ich.

Er ist präzise, schnell, redet nicht drum herum. Und einfach kompetent.

Immer mal wieder meinte er, ich würde nächtens meine Backenzähne zermahlen. Also käme eine Schiene für mich in Frage. Irgendwann war es dann soweit. Ich willigte in die Prozedur ein, was mit dem unangenehmen Abdrücken und diesen komischen Metalllöffeln verbunden ist.

Als ich dann zuhause das erste Mal das Teil anprobierte, wußte ich: geht gar nicht. Ich fühlte mich im Atmen behindert, und einige andere unangenehme Begleiterscheinungen verkneife ich mir.

Beim nächsten Zahnarzttermin dann gestand ich, dass ich die Schiene nicht trüge.

„Soll ich Sie jetzt tadeln?“, war seine erste Reaktion, um hinzuzufügen: „Ich trage meine auch nicht. Ich kann damit nicht einschlafen. Die Schiene liegt bei mir unter dem Bett, und da bleibt sie auch.“

 

Zwei heutige Beobachtungen

Die erste: heutige ist Black Friday. Eine weitere unsinnige kommerzielle Errungenschaft aus den USA macht sich breit. Da paßt es gut, dass Verdi Amazon-Beschäftigte zu Streiks aufgerufen hat, um eine bessere tarifliche Eingruppierung durchzusetzen.

Die zweite: ich war heute unterwegs zum Einkaufen. Zunächst auf einem kleinen Wochenmarkt. Die beiden jungen Männer am Käsewagen waren überaus freundlich und  zudem noch witzig,  die Käseauswahl enorm und sehr verlockend. In einem kleinen anderen Laden im Nachbarort besorgte ich ein paar Flaschen Wein und noch ein paar Zutaten wie selbstgemachtes Chutney, Mandarinen-Olivenöl und Anderes. Einfach weil mich die Inhaberin so mit ihrem Enthusiasmus, mit ihrer Sachkenntnis und überaus kompetenten Beratung überzeugte.

Scharnierwochen

Drei neue Lehraufträge, darunter einen an einer zweiten Schule und zwei, die ich schon lange nicht mehr oder noch nie unterrichtet habe, zwei abgeben. Bisherige acht halbe Klassen werden  zu sieben ganzen Klassen. Macht insgesamt etwa 150 neue Namen, die ich mir merken muss. Und das bei fünf zwei-stündigen und  drei einstündigen Fächern.

Viel Hilfe von Kolleginnen, die mir ihre Materialien zur Verfügung stellen. Ansonsten: neue Stoffverteilung, Klassen zusammenbringen, Materialien sichten. Hoffen, dass die Klassen mitmachen. Extra Energie, um deren Vertrauen zu gewinnen.

Drei laufende Projekte, ein zusätzliches, eines, das ich noch konzipieren muss. Artikel schreiben, korrigieren, weiterleiten.

 

Zwei Logiken

Ich schicke voraus:

die Unterhaltung von Schulbauten obliegt den Schulträgern, zumeist den Städten und Gemeinden oder auch den Landkreisen. Sie müssen auch für die finanziellen Mittel sorgen.

Gestern nun:

ich verfolgte eine Debatte zwischen einer Fragestellerin, Mutter eines Kindes auf dem Gymnasium. Sie beklagte sich über unhaltbare Zustände in der Schule, undichte Fenster, kalte, schlecht isolierte Klassenzimmer, undichtes Dach und dergleichen mehr. Allen Appellen der Schule zum trotz habe die Kommune bislang nichts getan, vermutlich aus finanziellen Gründen. Sie wandte sich an den Staatssekretär, das Land müsse doch etwas tun. Er gab zurück: es sei Aufgabe des Schulträgers. Und zudem: man dürfe und wolle nicht die bislang untätigen Kommunen finanziell unterstützen, wohingegen die frühzeitig aktiv gewordenen leer ausgehen würden. Das sei wenig gerecht.

Man müsse das doch aus Perspektive der Betroffenen betrachten, die unter diesen unzumutbaren Zuständen tagein, tagaus zu leiden hätten. Das hin- und Herverschieben von Verantwortlichkeiten helfe ihnen überhaupt nicht. Er verstehe das, entgegnete der Staatssekretär, dennoch wolle er aus guten Gründen die Zuständigkeit und Verantwortlichkeit noch einmal betonen. Und er könne hier und heute keine Versprechungen machen, die über bisherige Vorhaben der Regierung hinausgingen.

Beide Positionen leuchten mir völlig ein. Ich fürchte nur, das Verständnis für die Regierung dürfte sich in Grenzen halten.

 

Unlängst schaute ich einer

Personalreferentin zu, die einer Schulklasse die Grundlagen des Sich-Bewerbens darlegte. Zunächst nur um ein Praktikum. Dann aber soll es um den zukünftigen Beruf gehen. Als ginge es um Alles.

Tut es natürlich. Aber auch wieder nicht. Wenn ich an mein Berufsleben denke: es geht immer um alles. Und dann löst sich das zuweilen auf. Und das andere Alles beginnt.

Irgendwo las ich: man solle an den Universitäten als Kernkompetenz „Verunsicherungsfähigkeit“ lehren. Ich böte mich als Dozent an.