Fasten (2)

Heißt auch: sich nicht mit jedem unterirdischen Kommentar befassen oder gar darauf reagieren, der einem so unterkommt.* Was man auf Facebook durch blockieren machen kann, lässt sich im wirklichen Leben nicht immer so einfach durchhalten. Da gilt es, elegante Manöver zu praktizieren. Na mal schauen, wie die so aussehen könnten.

 

  • Muss ich mir wirklich sagen lassen, ich sei ein Ja-Sager? Und in meinem Alter müsse man etwas besser wissen?

 

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Fasten….

…no, not your seat belts.

Weniger konsumieren. Oder von manchem gar nix: Alkohol. Schokolade. Kartoffelchips. Weingummi.Kekse. – Internet? Facebook? – Meine Mails schon noch abrufen.

Und auch noch immer Zucker in den Espresso.

Ansonsten: es sind ja nur 6 1/2 Wochen. So lange?

 

Zwei Parlamente

Mein Beruf bringt es gelegentlich mit sich, dass ich Schulklassen auf Exlursionen begleiten darf. So war es auch zweimal in den letzten vier Wochen. Einmal ging es ins Landesparlament, einmal ins europäische Parlament. Das Programm unterschied sich an einer Stelle: im Landtag gab es zunächst eine sehr sachkundige und aufs Publikum bestens eingestellte Einführung. Zudem bekamen wir die Tagesordnung vorab. Eine extra für uns abgestellte Mitarbeiterin des Landtags begleitete uns zu den jeweiligen Stationen. Im europäischen Parlament wurden wir von den Mitarbeiterinnen des Abgeordneten in Empfang genommen und durchweg begleitet.

Das europäische Parlament, so macht es den Eindruck, ist deutlich durchstrukturierter. Man berät über etwas en bloc, dann gibt es einen Abstimmungsblock. Problem: als Zuschauer bekommt man nicht mehr mit, was genau da abgestimmt wird, weil es rasend schnell geht und auch nicht immer angesagt wird, was das Thema ist. Aber es gibt Abstimmungselektronik, so dass bei Unklarheiten die Elektronik genutzt wird, um das Abstimmungsergebnis eindeutig feststellen zu können. Allerdings gab es auch eine Situation, in der die Anzeigetafel und die Ankündigung des Sitzungspräsidenten nicht übereinstimmten, wovon manche Abgeordnete irritiert waren und eine Wiederholung erwirkten. Dass wir erst am Ausgang die Tagesordnung erhielten, war wenig hilfreich. Wir wurden immerhin Zeugen eines historischen Vorgangs: einer der Vizepräsidenten des Parlaments wurde mit 2/3-Mehrheit abgesetzt, weil er eine andere Abgeordnete auf das Übelste beleidigt hatte. Die Anwesenheit im Parlament war sehr hoch, es gab kaum unbesetzte Plätze, allerdings war auch die Nutzung der Smartphones und der Tablets sehr hoch.

Der Landtag ist weit kleiner, es gibt namentliche Abstimmungen, bei denen alle Abgeordneten aufgerufen werden und dann ihre Abstimmung bekannt geben. Immerhin erlebten wir eine Debatte, bei der es ordentlich zur Sache ging – müssen Fußballvereine in Zukunft die Polizeieinsätze bezahlen? Die Schülerinnen und Schüler fanden einen locker-kompetenten Beitrag am besten, weil er nicht abgelesen war, weil er nicht aggressiv war. Es war ein dauerndes Kommen und Gehen, auf der Regierungsbank saßen zwei Minsterinnen, ins Dauergespräch vertieft.

Der Nachteil des Landtagsverfahrens zeigte sich später, im Gespräch mit den Abgeordneten dreier Fraktionen: es konnte jederzeit sein, dass sie zu einer namentlichen Abstimmung das Gespräch würden beenden müssen. Einen Gong, der in diese Zeit fiel, konnten sie allerdings nicht interpretieren. Sie dokumentierten Respekt untereinander, gingen teilweise sehr lang auf Fragen ein, wechselten sich darin aber auch gut ab.

Im Europaparlament stand uns der Abgeordnete, seines Zeichens auch einer der Vizepräsidenten des Parlaments für eine Stunde zur Verfügung. Und seine Ausführungen waren hoch interessant, unter anderem, als er seine Aufgaben als Vizepräsident beschrieb.  Es wurde auch deutlich: da bekommt man andere Horizonte mit, als er von den verschiedenen Kooperationen mit unterschiedlichen Regionen in der Welt sprach.

Bringen solche Besuche die Politik näher hin zur Schülerschaft? Ich denke: teilweise. Sie dürften vorhandene Motivation stärken, und schaffen keine Motivation, wo sie nicht ohnehin vorhanden ist. Ob sie die Unentschiedenen bewegen? – Es wäre zu hoffen.

Vielleicht würde man es Heimat nennen

Gestern war Sonntag. In meiner Heimatstadt kein gewöhnlicher, sondern ein verkaufsoffener Sonntag am Pferdemarktswochenende. Pferdemarkt ist unser Fasching, mit Umzug, offenen Kneipen mit Musik, Kellern, die Rotwein und Schlachtplatte offerieren.

Und man trifft allerlei Menschen. Zunächst beim Einkaufen den einen Geschäftsinhaber, der uns das Friaul empfohlen hat. Dann in einem Keller ein bekanntes Ehepaar, ehemaliger Fraktionskollege mit Frau, mit dem wir uns über Politik, das Altern der Eltern und gemeinsame Bekannte unterhielten, später dann, in der Kelter eines ortsbekannten Weinhändlers stießen wir auf weitläufige Nachbarn sowie einen Mitstreiter beim freitäglichen Fußballtennis samt Frau und Schwägerin. Man sprach über Kinder und Politik und das Hausbauen. Schließlich gesellte sich der ebenso ortsbekannte Alleinunterhalter und Kartoffelbauer dazu, der uns über die Entwicklung der Hofläden sowie seine besonderen Herausforderungen in der Kartoffelwirtschaft, schlechte Ernten, anspruchsvolle Kunden, Lagerung, Zukäufe schlechter Ware, Glyphosat und Feldertausch in Kenntnis setzte.

Alle Begegnungen waren zufällig, nicht geplant und einfach so, dass sich ein Gefühl des Dazugehörens einstellte. Man würde es vielleicht Heimat nennen.

Urwahl des SPD-Parteivorsitzes

Eine neue Sau wird durchs Dorf getrieben. Warum und wozu?

Nun, das ist das eigentlich Schlimme: weil der Vorstand Vertrauen bei etlichen verspielt hat. Durch unkluges Herumlavieren, unsinnige absolute Festlegungen, die man hinterher wieder revidieren musste. Die ursprüngliche Sympathie und Hoffnung wich eher einem Entsetzen, wie sehr ein Vorsitzender seinen Kredit verspielen konnte.

Nun soll es eine Frau richten. Und auch da sofort der reflexhafte Vorwurf: Hinterzimmergemauschel, Postenschieberei, schlechter Stil. Daher die Forderung nach Urwahl. Ja, auch da stellt sich die Frage, wie kommen Kandidaturen zustande? Durch eine Urwahl der Urwahl? Oder werden da besonders ausgeklügelte Strategien der Rekrutierung  angewendet?  – Ich mutmaße: es geht nicht um das Verfahren als solches, sondern um die Personen, die für eine bestimmte Richtung stehen, die von Teilen der Partei abgelehnt wird. Und diese Teile fühlen sich bei Entscheidungen übergangen, wittern jetzt ihre große Stunde. – Ich mag nicht mit allem einverstanden sein, was der Vorstand einer Partei macht. Ich billige ihm jedoch bestimmte Führungsaufgaben zu, von denen ich glaube, dass er sie verantwortlich ausübt. Ja, ich erwarte, dass ein Vorstand führt. Dazu gehört die Auswahl des Führungspersonals. Wobei das ja letztendlich auch gewählt wird, von den Delegierten. Und zugegeben, es hat lange keine Kampfkandidaturen mehr in der SPD gegeben. Vorsitzende standen alternativlos zur Wahl. Würde die Urwahl das ändern? Ich bin nicht sicher, bin auch nicht sicher, welches tatsächliche Interesse hinter einem solchen Ansinnen steckt. – Zudem hatte man das schon mal. Der Ausgang war eher ungünstig.

Zwei Welten

Zuweilen gibt es die Notwendigkeit, etwas offiziell beglaubigen zu lassen. Dann sucht man ein Notariat auf.

Das erste Mal – in der jüngeren Zeit – taten wir dies im Dezember. Das Gebäude: unfreundlich. Die Flure schmucklos. Ein Empfang: nicht vorhanden. Stattdessen musste man sich von Zimmer zu Zimmer fragen, ehe man den richtigen Ansprechpartner gefunden hatte, der einen wieder ins Wartezimmer verwies, wo man auf den Notar warten durfte. Und das Wartezimmer: eine zivile Form der Verwahrlosung.

Nun war das alles kein Wunder, denn: die Nutzung des Gebäudes als Notariat war absehbar, zum Jahreswechsel würde es als solches aufgegeben werden. Und mehr noch: die dort ansässigen Notare würden zum 1.1.2018 Freiberufler werden und in neue Räumlichkeiten ziehen. Dennoch, Behörden sind Dienstleister und keine Agenturen zur Abschreckung der Bürgerinnen und Bürger.

Wo wir uns denn im Neuen Jahr auch einfanden, im neuen Notariat. Am Empfang wurden wir zunächst freundlich begrüßt, eine zweite freundliche Angestellte half uns aus den Mänteln, die Garderobe hing voll, was bedeutete: es herrschte gut Betrieb.  Das Wartezimmer war sparsam und mit einladenden Sitzmöbeln ausgestattet. Eine Dreier-Gesellschaft unterhielt sich über Wohnlagen uund Hauspreise in der Region. Die Gänge: hell und freundlich. Mit erstaunlich vielen Büroräumen, die allesamt belegt waren. Der Notar geleitete uns in sein Büro, auch dieses: großzügig, mit viel Licht und einer angenehm zurückhaltenden Möblierung, der Besprechungstisch ausreichend groß für mehrere Personen, nicht rund, sondern rechteckig. Kurz gesagt: wir befanden uns in einem völlig anderen Ambiente, mit einer dementsprechend anderen Gestimmtheit. Der Notar bestätigte dies, indem er meinte, zuvor seien die Klienten schon etwas gereizt in seinem Büro aufgetaucht, nachdem sie die abweisende Atmosphäre im vorherigen Gebäude eingesogen hatten.

Das einzige, das unverändert geblieben war: die schlecht sitzende, rosa-hellblau gemusterte Krawatte des Notars.